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Der kleine Titan

MICE-Standortcheck Belfast

Belfast erlebt als Kongressstadt einen Boom. Zu den Trümpfen der kleinen Kapitale in Nordirland zählen ikonische Event-Schauplätze, die dynamische Hotelentwicklung und eine freundliche, weltoffene Bevölkerung.

Am Abend erstrahlt die City Hall, Belfasts gewaltiges Rathaus mit Kuppeln und Türmchen, in hellem Licht. Menschen strömen über die Straßen. Sie eilen zu Verabredungen, quellen aus Pubs und warten in Grüppchen vor den Restaurants der ­Howard ­Street auf freie Tische. Kein Zweifel: Das Phänomen der nach Feierabend ausgestorbenen Innenstadt ist in Belfast unbekannt.

»Belfast vibriert vor Leben«, weiß Melissa Devine, Sales-Managerin des Fünf-Sterne-Hauses The Merchant. »Jeden Abend sind Restaurants und Bars voll, es ist einfach ein unglaubliches Lebensgefühl.« Das liegt nicht allein an einer ausgehfreudigen Bevölkerung. Auch in den Hotels sei eine Menge los, so Devine: »Ein Montag im Februar ist in Belfast ein Tag, an dem wir ausgebucht und im Restaurant alle Tisch besetzt sind.«

Tatsächlich liegen die Auslastungszahlen bei über neunzig Prozent. »Das Corporate Business ist in den vergangenen zwei Jahren geradezu explodiert«, erklärt Deborah Collins, bei Visit Belfast für den Bereich MICE zuständig. Vierzig Millionen Pfund spüle das Konferenzgeschäft im Jahr in die Stadt – und jede Menge Gäste. So hatten die Hotels der Stadt 2017 eine höhere Auslastung als die in London.

Auf historischem Fußboden im Titanic Hotel: Mehr als nur Schlafstätte
Mariusz Smiejek

18 Neueröffnungen in 18 Monaten
Um der Nachfrage Herr zu werden, eröffnen bis Ende dieses Jahres 18 neue Hotels mit insgesamt 1500 Zimmern. Die 330.000-Einwohner-Stadt kann dann auf 5145 Zimmer verweisen. Zu den neuen zählen – neben dem bereits 2017 eröffneten Titanic Hotel Belfast im ehemaligen Werftenviertel – ein Hampton by Hilton, ein AC Marriott am Ufer des Lagan und das Hastings Grand Central, das im Juni im höchsten Gebäude der Stadt seine Pforten wiedereröffnet. Das Traditionshaus schloss während der »troubles«, als der Konflikt zwischen proenglischen Protestanten und republikanisch gesinnten Katholiken Belfast zu einem ungastlichen Ort machte, und blieb jahrzehntelang eine ferne Erinnerung an bessere Zeiten.

Dass die Hauptstadt Nordirlands lange der Underdog des Königreichs war, geschwächt durch Bürgerkrieg und den Niedergang der einst blühenden Schiffsindustrie, ist heute nicht mehr zu ahnen. Im Gegenteil: Belfast boomt. Als Drehort der Erfolgsserie »Games of Thrones« wurde das Umland mit einem Schlag Fernsehzuschauern auf der ganzen Welt bekannt; auch die Spezialeffekte entstanden in den Titanic Studios in Belfast. Der Reiseführerverlag Lonely Planet kürte die Stadt und die an sie anschließende Causeway-Küste gar zum weltweit wichtigsten Tourismusziel des Jahres 2018. Das alles ist kein Geschenk des Himmels, sondern das Ergebnis akribischer Arbeit und großer Investitionen. Über eine Milliarde Pfund sind seit 2007 in die Stadt gesteckt worden. Außer in eine Armada neuer Hotels floss das Geld in Projekte wie die Neugestaltung des Hafenviertels. Aus der maroden Werft wurde das schicke Titanic Quarter mit Apartment- und Büro­bauten, Filmstudio, Jachthafen und dem multimedialen Museum Titanic Belfast. Dessen Eröffnung 2012 markiert einen Höhepunkt in der Stadtentwicklung. Über vier Millionen Menschen haben es seither besucht.

Ikonische Kulisse für ikonische Marken
Auf dem Gelände der Werft, die die »Titanic« und ihre Schwesterschiffe baute, ist mit dem 12.000 Quadratmeter großen Museum auch die spektakulärste Event-Fläche der Stadt ansässig. »Titanic ist der weltweit bekannteste Markenname nach Coca-Cola«, behauptet Verkaufschefin Laura Cowan voller Stolz. »Aber er steht für viel mehr als ein berühmtes Schiff. Die Geschichte Belfasts als Geburtsort großer Luxusliner und die Wiedergeburt der Werft symbolisieren Innovationsgeist, Kreativität und den Willen, sich zu behaupten.« Mit diesen Werten könnten sich viele Unternehmen identifizieren, so Cowan: »Sie sehen Belfast als ikonische Kulisse für ikonische Marken.«

Zugleich steht Belfast für die Macht des konstruktiven Dialogs. 1998 mündeten die Friedensgespräche der verfeindeten Parteien ins Karfreitagsabkommen. Das Leben normalisierte sich; der Schauplatz der erfolgreichen Verhandlungen konnte endlich seine Zukunft gestalten.

Strahlendes Monument: Anziehungspunkt City Hall
Mariusz Smiejek

Cool, funky und kompakt
»Heute gelten wir als Destination mit Potenzial. Unsere Stärken werden wahrgenommen«, sagt Deborah Collins. »Wir besitzen tolle Locations, Kultur, Gastronomie, ein grandioses Nachtleben.« Ein besonderes Plus sei aber das branchenübergreifende Engagement aller Beteiligten: »Wir bereiten uns auf jedes Event gemeinsam vor. Taxifahrer, Concierges und Restaurantmanager werden vor Konferenzen darüber informiert, was los ist, sodass sie ihre Gäste auf das Event ansprechen und sie willkommen heißen können.« Der Bürgermeister lade Teilnehmer gern zum Cocktailempfang ins Rathaus. Collins: »Einen so persönlichen Empfang kann nur eine kleine Stadt bieten.«

Das Konzept geht auf. Belfast hatte in den vergangenen Jahren hochkarätige internationale Events zu Gast: die MTV Awards 2011, den G-8-Gipfel 2013, den Start des Giro d’Italia 2014 und das World Council of Credit Unions 2016. Im Herbst 2017 erhielt Belfast den Zuschlag für die International Conference on Composite Materials (ICCM) 2021, das weltweit größte Treffen der Werkstoffverbundindustrie. Dabei schlug die Stadt die Mitbewerber Venedig, Lausanne und New Orleans aus dem Feld und etablierte sich endgültig als Global Player.

»In kurzer Zeit ist unglaublich viel passiert«, sagt Siobhan O’Sullivan, Sales- und Marketing-Managerin des Fünf-Sterne-Hotels Fitzwilliam. »Als ich vor sieben Jahren hierherzog, war Belfast eine andere Stadt. Dann kam Titanic Belfast, die ersten Events, ›Game of Thrones‹ – und jetzt werden wir überrannt. Belfast ist cool und funky.« Zudem biete die Stadt ganz handfeste Vorteile: »Wir haben zwei Flughäfen, werden von Amsterdam, Paris, Mailand, Barcelona, Brüssel und etlichen englischen Städten nonstop angeflogen. Zugleich ist Belfast sehr kompakt, alles ist zu Fuß erreichbar.«

Die positive Stimmung ist überall spürbar. »Belfast ist sehr international geworden«, sagt Patricia Murtagh, Managerin für Geschäftsentwicklung bei den Hastings Hotels, die im Juni mit dem Grand Central ihr viertes Haus in Belfast eröffnen. Nach Jahren in Kalifornien ist Murtagh beeindruckt von der Euphorie, die in der Luft liegt: »Die Menschen hätten nie gedacht, dass die Stadt einmal so angesagt sein würde. Ihre Begeisterung darüber ist ansteckend.« Auch die Gas­tro­no­mie habe sich rasant entwickelt. Zwei Michelin-Sterne, einen für das kleine, rustikale Ox, den anderen für Deanes Eipic, kann Belfast vorweisen und eine kreative, vielseitige Restaurantszene.

Vom Tenderboot der »Titanic« ins Schloss der Königin
Vielfältig sind auch die Event-Schauplätze. Das 1997 erbaute Kongresszentrum Waterfront Belfast erhielt 2016 eine dreißig Millionen Pfund teure Erweiterung. Seither verfügt es über mehr als 7000 Quadratmeter Veranstaltungsfläche mit Tageslicht und Blick auf Fluss, Hafen, City und die Berge. Zu den großen Locations zählen außerdem die 2001 im Titanic Quarter erbaute SSE Arena, die Messezentren ­Eikon und Titanic, die Assembly Buildings in der City und die Queen’s University.

Die »SS Nomadic«, Tenderboot der »Titanic« und das letzte erhaltene Schiff der White-Star-Flotte, bietet mit historischem Flair eine außergewöhnliche Kulisse für Empfänge. Belfast Castle, ein Herrensitz am Cave Hill und heute im Besitz der Stadt, verbindet moderne Ausstattung mit feudalem Ambiente. Das zwanzig Kilometer außerhalb gelegene Hillsborough Castle ist die offizielle Residenz der englischen Monarchen in Nordirland. Die Räume, in denen das anglo­irische Abkommen unterschrieben wurde und die Königin sich bei ihren Besuchen am Kamin wärmt, sind nicht nur besonders attraktiv. Sie haben sich als Schauplatz konstruktiver Gespräche auch vielfach bewährt.