Hinweis zu Cookies

HRS möchte Ihnen den bestmöglichen Service bieten. Dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhalten Sie durch Klick auf „Mehr Informationen“. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen und die Browsereinstellungen entsprechend anpassen.

Mehr Informationen

Der Boom hat erst begonnen

Unterwegs in Delhi

Der Hotelmarkt in der indischen Hauptstadt Delhi, mit etwa 25 Millionen Menschen die größte Metropolregion und der führende Gastgeber des Subkontinents, wächst dynamisch. Vor allem das Segment zeitgemäßer Businesshotels hat in Neubauvierteln wie Aerocity und in der Vorstadt Gurugram inzwischen Spitzenniveau erreicht.

Boomtown Delhi: Wachstum um 400.000 Einwohner pro Jahr
Boomtown Delhi: Wachstum um 400.000 Einwohner pro Jahr

Dem Geschäftsreisenden, der in Delhi landet, steht bei der Ankunft in einem der Spitzenhotels der Stadt ein imposantes Willkommen bevor: Er wird am Eingang mit großer Wahrscheinlichkeit von Herrn Singh begrüßt. Singh ist ein hochgewachsener Sikh mit farbenfrohem Turban auf dem Kopf, einer prunkvollen Uniform am Leib und einem sorgfältig gezwirbelten Schnurrbart. Das ist ansehnlich und gehört in der indischen Hauptstadt stilistisch einfach zum Protokoll. Die überwiegend aus dem nordwestlich von Delhi gelegenen Punjab stammenden Sikhs blicken auf eine lange Kämpfer- und Militärtradition zurück und wachen noch heute traditionell über den Empfangsbereich und die Sicherheit am Hotelportal. Sie alle führen aus religiösen Gründen »Singh« im Namen, Löwe.
 

»Vom Flughafen ist man gleich im Büro. Schnell rein, schnell raus, das ist das Geschäftsmodell.«


Neuaufstellung im Topsegment
Der Hotelmarkt in Delhi, gemessen an der Zimmerzahl der größte in Indien, erlebt zurzeit eine dynamische Erneuerung. Das 1965 an den Start gegangene Oberoi, am grünen Rand des Delhi Golf Clubs und in Sichtweite des weltberühmten Grabmahls des Mogulherrschers Humayun, hat seine Pforten Anfang dieses Jahres nach zwanzigmonatiger Modernisierung wieder geöffnet. Gegenüber liegt das nicht weniger luxuriöse Lodhi (vormals das Aman Delhi), das soeben zum ersten »Leading Hotel« Indiens aufstieg und in vielen Suiten mit Privatschwimmbädern aufwartet.

Das Taj Mansingh wiederum, auch als Taj Mahal bekannt und eine altehrwürdige Hotelikone der Taj-Mutter Indian Hotels Company (IHCL), erlebt eine Phase kreativer Zerstörung. Die Mansingh-Immobilie wird von der Stadtverwaltung gerade meistbietend versteigert – in einem zähen, intransparenten, durchbürokratisierten Prozess, den längst niemand mehr versteht; Ausgang offen. Die aktuelle Hierarchie der Tophotellerie sei indes klar, glaubt der aus Innsbruck stammende Louis Sailer, der zuvor lange für Raffles tätig war und seit knapp fünf Jahren das Leela Palace im Diplomatenviertel Chanakyapuri als General Manager führt. »Es gibt nur drei echte Spitzenhotels in Delhi: das Imperial, uns, Oberoi.« Ein Triumvirat.

Günstig, aber langsam: Per Taxi durch die Metropole
Günstig, aber langsam: Per Taxi durch die Metropole

Boom der Businesshotellerie
Noch größere Dynamik als die Spitzengruppe weist das boomende Segment der Business­hotels auf. »In den vergangenen Jahren gab es bei den Hotels in Delhi eine komplette Revolution«, sagt Michael Wekezer, als Büroleiter der internationalen Steuerberatung Rödl & Partner in Delhi ein Kenner der Business-Community in der Stadt. Noch vor wenigen Jahren habe es lediglich traditionelle Luxushotels wie das Imperial am Connaught Place oder das Maidens in Civil Lines gegeben – oder einfache Gasthäuser für wenig Geld und mit viel Schmuddel. »Vor fünf Jahren gab es in Indien kein Segment in der Mitte.« Puneet Chhatwal, ehemaliger Steigenberger-CEO und heute Chef von IHCL mit insgesamt rund 17.000 Zimmern in Indien, beschrieb Mitte Februar in der »Economic Times«, dass das dynamischste Wachstum in Indien zurzeit im mittleren und im Budgetbereich stattfinde, also unterhalb des zuvor lange dominierenden Luxussegments.

Entscheidend: Airport-Anbindung
Ein Paradebeispiel für diesen Trend ist Aero­city, ein direkt am Indira Gandhi International Airport (IGI) gelegener Hotelkomplex, für Wekezer »ein Zeichen, dass es jetzt einen richtigen Markt für Businesshotels in Delhi gibt«. Die Aerocity, gut einen Quadratkilometer groß, ist ein in den vergangenen Jahren aus dem Boden gestampfter Hotelcluster, in dem inzwischen rund ein Dutzend Häuser eröffnet haben, darunter Andaz, Holiday Inn, Ibis, JW Marriott, Novotel und Pullman sowie ein »Premier«-Haus der stark wachsenden, im April an die Börse gegangenen indischen Hotelgruppe Lemon Tree. Hier geht es effizient, modern und weniger pompös zu als in der Luxus­kategorie; Guards tragen keine Turbane, sondern praktische dunkelblaue Uniformen.

Hausgemacht: Reiseumsatz  zu 88 Prozent von  einheimischen Reisenden
Hausgemacht: Reiseumsatz zu 88 Prozent von einheimischen Reisenden

Vor allem die Lage besticht. Zum einen befinden sich die Flughafenterminals quasi vor der Tür. Zum anderen erreichen Gäste mit dem Airport Express, einem Schnellzug, vom Aerocity-Bahnhof aus in etwa zwanzig Minuten Connaught Place im Zentrum von Neu-Delhi und die New Delhi Train Station, den Hauptbahnhof. Mit Taxi oder Hotellimousine kann der Transit zur Rushhour dagegen eineinhalb Stunden dauern. »Da gehen jetzt viele Firmen raus«, sagt Sailer. »Vom Flughafen ist man da gleich im Büro. Schnell rein, schnell raus, das ist deren Geschäftsmodell.« Die Zimmerpreise in Aerocity liegen typischerweise in der Spanne zwischen 70 und 130 Euro. Sie sind im Geschäftsjahr 2016/2017 um 15,4 Prozent gestiegen, mehr als irgendwo sonst in Delhi, ein Indiz für den Erfolg des Konzepts.

Die Vorstadt Gurugram wächst weiter
Neben Aerocity gibt es weitere, über das gesamte Stadtgebiet verteilte Hotelcluster. Dank der guten Anbindung an den Flughafen ist das Diplomatenviertel Chanakyapuri (Tscha-nack-ja-pu-ri ausgesprochen) ein zweiter für Geschäftsreisende wichtiger Standort. Hier befinden sich zahlreiche Botschaften, darunter die der D-A-CH-Länder, das Leela Palace und das Taj-Hotel Diplomatic Enclave, das bis vor Kurzem Taj Palace hieß. Von zunehmender Bedeutung ist darüber hinaus die Satellitenstadt Gurugram (bis 2016 Gurgaon) südlich des Flughafens, inzwischen selbst eine Millionenmetropole mit zahlreichen Firmensitzen internationaler Konzerne und mehr als 5000 Hotelzimmern.

Herzliches Willkommen: Singh, Wächer des  Empfangsbereichs
Herzliches Willkommen: Singh, Wächer des Empfangsbereichs

Die Hotellerie boomt praktisch überall südlich des Himalajas, wobei Delhi als Hauptstadt eine besondere Rolle sowie eine Trendsetter-Funktion zukommt. Von den etwa 120.000 Zimmern des Markensegments in Gesamtindien entfallen aktuell deutlich mehr als 20.000 auf den Großraum Delhi, ein gutes Sechstel also. Weitere 4500 Zimmer sind nach Schätzung der Unternehmensberatung HVS in Planung.
 

»In den ver­gan­genen Jahren gab es bei den Hotels in Delhi eine komplette Revolution.«


Treibende Kraft dieses hohen Wachstums sind allerdings in erster Linie nicht ausländische Gäste. Das World Travel & Tourism Council (WTTC) in London schätzt, dass 88 Prozent des Gesamtumsatzes der Reisebranche in Indien auf die mehr als 1,3 Milliarden Inder selbst entfallen, die pro Jahr um die 1,6 Milliarden (meist kürzere) Reisen antreten, mehr als dreimal so viele wie noch vor zehn Jahren. Dagegen waren im Jahr 2016 lediglich neun Millionen Ausländer nach Indien gekommen. Das waren zwar deutlich mehr als im Vorjahr. Allerdings kam allein Deutschland, an Fläche und Bevölkerung nicht viel größer als der indische Bundesstaat Rajasthan, auf etwa viermal so viele internationale Besucher.

Florierende Vorstadt: Hotelboom dank Zuzug globaler Firmen
Florierende Vorstadt: Hotelboom dank Zuzug globaler Firmen

Delhis Image im Ausland​
Einer der Gründe für das relativ schwache Geschäft mit ausländischen Gästen ist Indiens ­Problemimage. »Die Presse im Ausland ist brutal zu Indien«, sagt Leela-GM Sailer. Das Medienbild ist oft geprägt von Schlagzeilen über Umweltverschmutzung und Kriminalität. Insbesondere Delhi gilt dank seiner schlechten Luft unter Europäern und Amerikanern als Gesundheitsrisiko. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Delhi unter allen Megastädten der Welt die mit Abstand giftigste, es atmet sich hier schlechter als in Shanghai, São Paulo, Mumbai oder Kalkutta. Verantwortlich dafür sind in erster Linie der Straßenverkehr und das Abbrennen abgeernteter Felder in den umliegenden fruchtbaren Ebenen. Es ist jedoch Delhis geografische Pfannenlage, die alljährlich in den Wintermonaten Smog verursacht. Etwa von Anfang November bis Ende Januar liegt relativ kalte Luft über der Stadt, die von wärmeren Atmosphärenschichten zugedeckt wird, sodass kaum Zirkulation stattfindet. Da im Winter wenig Niederschlag fällt, wird Feinstaub zudem nicht »ausgewaschen«.

Getrieben von Protesten der Bevölkerung geht die Stadtverwaltung das Problem an, indem sie beispielsweise selektive Fahrverbote ausspricht und den öffentlichen Personennahverkehr massiv ausbaut. Auch die Hotellerie der Stadt ist sich der Atemnot bewusst. Einige Spitzenhäuser – darunter das Oberoi – sowie mehrere Botschaften haben inzwischen Filteranlagen installiert, die im Gebäudeinneren reine Luft für das Wohlbefinden der Gäste zur Verfügung stellen.

Trotz dieses Mankos deutet alles darauf hin, dass Delhi eine große Zukunft hat und weiterwachsen wird. Noch vor hundert Jahren lebten hier gerade einmal 400.000 Menschen – was ziemlich genau die Einwohnerzahl ist, um die die Stadt zurzeit Jahr für Jahr wächst. Schon im Jahr 2050 werden es nach seriösen Schätzungen 36 Millionen sein, 2100 dann um die 57 Millionen, und alle müssen irgendwo schlafen. Delhis Bettenboom hat gerade erst begonnen.

»2020 unter den Top 6«

In Indien ist HRS mit drei Niederlassungen vertreten: in Neu-Delhi, Mumbai und Bangalore. Als Managing Director leitet Santosh Kumar das Indien-Geschäft von HRS.

Sie haben das neue HRS Büro in Delhi am Flughafen in Aerocity eröffnet. Warum dort?

Aerocity ist dank der idealen Lage so erfolgreich: sehr nah an den Flughafenterminals und über den National Highway gut zu erreichen. Das verkürzt die Reisezeiten entscheidend.

Auch Gurugram und Noida haben sich im Umland von Delhi als Firmenstandorte etabliert. Welche Rolle spielen die Satellitenstädte heute für Geschäftsreisende?

Beide, Gurugram wie Noida, sind inzwischen boomende Städte, die im Verbund mit Delhi das wichtigste Reiseziel in Indien bilden.

In dreißig Jahren soll der Großraum Delhi an die 36 Millionen Einwohner zählen. Wie wirkt sich das auf die Hotellerie aus?

Wir erwarten, dass sich Indiens Reiseboom – getrieben von der wachsenden Mittelschicht und den verbesserten Städteverbindungen – in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Indien ist heute schon der zehntgrößte Geschäftsreisemarkt der Welt und wird 2020 dank der Wachstumsraten von jährlich elf Prozent unter den Top 6 sein. Das sind gute Rahmenbedingungen für den Hospitality-Markt.